Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt, 22 Jun. 2013

WALD - Landschaften der Erinnerung - Der Fotokünstler Michael Lange in der Frankfurter L.A. Galerie

von CHRISTOPH SCHÜTTE


"Jedes Glück, das mich findet" heißt es bei dem Schriftsteller Adalbert Stifter, "ist eine Gnade des Herrn, und das Glück im Walde ist meinem Herzen lieber als das Glück anderswo." Vielleicht mag man sich dieser Tage in der Frankfurter LA. Galerie denken, ist da ja etwas dran. Scheint es doch beinahe wie ein Abglanz dieses Glücks was man vor diesen Bildern wie einen zarten Hauch zu spüren meint.

Nicht dass wir jetzt gleichsam über Nacht sonderlich fromm geworden wären oder uns in die Einsamkeit der Wälder flüchten möchten, um den unseren pantheistischen ldeen und Gefühlen freien Lauf zu Iassen. Und auch Michael Langes "Landschaften der Erinnerung“ und mithin all die Aufnahmen die der Hamburger Fotokünstler in den vergangenen vier Jahren im deutschen Wald gemacht hat, mag man religiös allenfalls in einem sehr weiten und sehr offenen Sinne nennen. Mystisch vielleicht märchenhaft durchaus und insofern fraglos auch im Kern romantisch sind sie. Aber kaum mehr.

Vielmehr erscheinen die bevorzugt in der Dämmerung und bei schlechtem,kühlem und meist regnerischem Wetter mit der Großformatkamera eingefangenen Kompositionen bei aller Detailfülle zunächst seltsam leer. Und still. Ganz gleich, ob diese höchst malerischen Bilder ein nebelverhangenes Waldinneres, dunkle, schwarzgrüne Nadelbäume, die fahl gewordenen Farben des Herbstes oder das frische, frühlingshafte Grün eines Buchenwaldes zeigen. Und genau darauf kommt es dem in Heidelberg geborenen Autodidakten offenkundig wesentlich an. 

 "Der Wald und das Zwielicht“ erläutert denn auch der zunächst mit seinen Reportagen für die Zeitschrift "Stern“ oder für Magazin "Geo“ bekannt gewordene Lange, seien in der Tat "Medien für diese Stille, für ein offenes Bild". Alles andere ist dagegen Sache des Betrachters und seiner eigenen Projektionen, die sich von denen des Fotografen, der hier erklärtermaßen auf die Zufluchtsorte seiner Kindheit rekurriert, notwendig unterscheiden.

Und was er, einmal eingetreten in diesen Resonanzraum der eigenen Sehnsüchte und Befindlichkeiten, darin findet. Oder doch zu finden hofft. Der Wald, sagt Hermann Hesse, lege das Lauschen nahe. Und dann, vielleicht, findet mich, und sei es bloß für einen Augenblick, das Glück.

 
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